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Herzlich willkommen auf der Homepage

der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde Schwabach (Baptisten) im BefG K.d.ö.R

Schön, dass sie den Weg zu uns gefunden haben!

 

 Monatandacht September 2021

 

Ihr sät viel und bringt wenig ein;
ihr esst und werdet doch nicht satt;
ihr trinkt und bleibt doch durstig;
ihr kleidet euch, und keinem wird warm;
und wer Geld verdient, der legt’s in einen löchrigen Beutel.

Haggai 1,6

Neunzehn Jahre vor Haggais Auftreten hatten die Perser das babylonische Reich erobert und den nach Babylon deportierten Judäern erlaubt, in die Heimat ihrer Vorfahren zurückzukehren. Dort sollen sie unter der Führung des Serubabel, eines Nachkommen der Könige von Juda, den Tempel von Jerusalem wiederaufbauen.
Aber auf die anfängliche Begeisterung folgte eine lähmende Ernüchterung in dem kargen Land, dessen Äcker nie genug Ertrag abwarfen, um richtig satt zu werden. Die Vornehmen unter den Rückkehrern bauten als erstes für sich selbst getäfelte Häuser. Der Tempel lag nach wie vor in Trümmern, der Baubeginn wurde immer weiter hinausgezögert. Dafür sei die Zeit noch nicht gekommen, sagten die Vornehmen. Aber an sich selbst können die Vornehmen gar nicht früh genug denken, entgegnet der Prophet: weil ihr die falschen Prioritäten setzt, gibt es so viel Mangel im Land, hält Gott Regen und Segen zurück, aber wenn ihr mit dem Tempelbau beginnt, wird das Land endlich aufblühen!

Wenn ich vor siebzig Jahren gelebt hätte und im September 1951 eine westdeutsche Baptistengemeinde dazu hätte bringen wollen, einen Kapellenbau zu finanzieren, hätte ich mir vielleicht diesen Text ausgesucht. Ich hätte wahrscheinlich Hörer gehabt, die den Mangel am Lebensnotwendigen kennengelernt haben und sich nach Wohlstand sehnen. Einige träumten vielleicht von getäfelten Häusern oder fingen schon an, welche zu bauen. Ich hätte ihnen ins Gewissen geredet, den Bau des Hauses des Herrn nicht hintanzustellen, ihren Beitrag zu leisten zum Bauvorhaben der Gemeinde. Und der Aufruf zur Opferbereitschaft hätte dem Gewissen der Hörer gutgetan, denn sie wollten sich nach den Jahren der Entbehrung guten Gewissens des Wohlstands erfreuten, der sich allmählich einstellte.

Vielleicht gibt es noch heute gesellschaftliche Kontexte, in denen es solche Predigten und solche Hörer gibt, vielleicht bei den Wohlstandspredigern in den Schwellenländern. Wer könnte es den Armen dieser Erde verdenken, dass sie danach streben, am guten Leben teilzuhaben?
Wir befinden uns aber im September 2021 und in einem reichen Land, das seine wirtschaftlichen Aufbruchszeiten längst hinter sich hat. Vielleicht löst das Wort des Propheten Haggai bei uns ganz andere Assoziationen aus. Mangel an Nahrung und an trinkbarem Wasser muss hier niemand leiden, und auch wenn sich die Verteilung des materiellen Reichtums in Deutschland immer ungleicher entwickelt: die große Mehrheit der Menschheit kann von Lebensbedingungen wie in unserem Land nur träumen. Und dennoch leben hier Menschen, die trotz Arbeit und Geldverdienen, trotz Überfluss an Essen und Trinken und trotz übervoller Kleiderschränke ihr Leben als armselig empfinden, deren Hunger und Durst nicht gestillt ist, die an einer Kälte leiden, gegen die keine Kleider helfen.

Es ist wohl kein Zufall, dass uns die Stichworte aus Haggai 1,6 auch in der Verkündigung Jesu begegnen.
Jesus predigte von der Saat, die vielfache Frucht trägt, vom Brot, das allen Hunger stillt, vom Wasser, von dem man trinkt und nie wieder dürstet, vom Reichtum, der nicht vergeht wie irdische Schätze. Sind das nur zufällig gewählte Metaphern für abstrakte geistliche Verheißungen oder holen uns die Texte der Bibel ab bei unserem Umgang mit ganz handfesten Dingen wie Arbeit, Nahrung, Trinkwasser, Kleidung und Geld?

 

 

Martin Rothkegel
Leiter der Bibliothek
Kirchengeschichte

Theologische Hochschule Elstal

 

 

 

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